Wo Weihnachten Zuhause bedeutet

Wir schreiben den 24.12.2018. Schon seit Wochen wissen ich und meine Helfer, dass dieser Tag kommen wird. Dass es Menschen gibt, die bereits das 4. Mal mit uns ihren Heiligabend verbringen werden. Warum sie das tun? Jeder hat seine Gründe. Die einen sind allein, die anderen einsam. Andere sind leer und suchen nach Sinn, danach gesehen zu werden als die Person, die sie sind und sein könnten. Andere haben Ballast und wollen unvoreingenommen wahrgenommen und behandelt werden und wieder andere haben viel zu geben.

Mehrere Wochen organisieren wir, um diesen Raum zu geben, damit jeder, der kommt, sein kann, wer er ist und die Wertschätzung bekommt, die er sich wünscht. Denn bei uns gibt es kein Vergangenes und kein Morgen. Es gibt die zwei Stunden an Heiligabend, an denen wir Gespendetes essen, gemeinsam singen und uns unterhalten als kennen wir uns seit Jahren. Wir gehen auseinander mit diesen Geschichten, den Gefühlen und der Vorfreude auf das nächste Jahr.

Auch dieses Jahr haben unzählige Menschen geholfen, damit wir für 2 Stunden im Jahr, den Menschen die wollen, eine Heimat geben konnten, für die Pakete, die sie tragen.
2 Tage lang haben wir riesige Mengen Lebensmittel geschnibbelt und zu Leckereien verkocht. Die Säle wurden weihnachtlich dekoriert – mit weißen Tischdecken, Tannenzweigen, Schokoladenkugeln als Dekoration und mit edlem Geschirr eingedeckt.
Der Baum in der Herberge war gerettet und wurde mit geschenkten Kugeln superschön behängt.
Die Räume verwandelten sich in zwei Tagen zu Festsälen, die zum Feiern einluden. Sie erstrahlten in edlem Glanz, ganz so wie unser Anspruch für unsere Gäste ist. Es soll an diesem Abend nur das Beste von Allem sein.
Was mich jedes Jahr erneut beeindruckt sind die vielen Helfer, die jedes Jahr wieder beherzt zugreifen – egal wie schwer die Kisten sind, wie groß die Mengen an Kartoffeln, die es zu schälen gilt oder wieviel Kilo Teig geknetet, geformt und gebacken werden müssen. Alle bringen dreierlei mit: Herz, Hirn und Rückgrat. Und mit ihrer Liebe zum Detail sind sie so Garanten für ein fantastisches Fest für uns und unsere Gäste.
 
Dazu kommen noch die zahlreichen Foodsaver, die gerettete Lebensmittel bringen, posterXXL und photobox, die uns 18.000 Schokokugeln von Lindt spendeten, die Metzgerei Wachter, die uns zu den bereits 10 Gänsen noch eine weitere spendete, unzählige Getränke des Umweltreferats der TU München, die schönsten Plätzchen des Schülerwettbewerbs der Lycee Jean Renoir Schule in München, die besten Kräuter der Ferdinand Kreutzer Sabamühle, Geschenke für wohnungslose Menschen des Katholischen Männerfürsorgevereins München e.V. und Raum, Geschirr, Service und Spülhilfe des neu renovierten und vor Kurzem eröffneten Hotels Marias Platzl. Doch alles wäre nicht möglich, durch die tatkärftige Unterstützung der Pfarrei Mariahilf und St. Franziskus in München, die uns mit einem weiteren Raum und Tischdecken und Getränken versorgten und am Abend mit Gitarre und Gesang bereichern. Pfarrer Schlosser, Sie sind der coolste Pfarrer, den ich je kennengelernt habe. Durch Sie ist Kirche das, was sie sein sollte: Ein Ort, an dem alle willkommen sind.
So feierten wir entspannt mit knapp 200 Gästen und Helfern Weihnachten.
Ohne diese Menschen sowohl Unterstützer als auch Gäste wäre dieses 4. Heiligabendessen nicht geworden, was es war. Die Magie übermannt mich immer noch und es wird einige Tage brauchen, bis ich diese gänzlich verarbeitet habe. Was bleiben wird ist das Gefühl, seine Zeit sinnvoll mit tollen Menschen verbracht zu haben. Ich weiss, dass es egoistisch ist. Denn am Ende geben mir die Gespräche, die ich führe und die Gesichter, in die ich schaue mehr als man sich vorstellen kann. Ein Vertrauen in die Welt, dass wir alle in Frieden und Freundschaft leben können. Denn ich merke, dass wir uns alle nur eines wünschen: einen Ort, an dem wir zuhause sind. Ich danke allen, die das möglich gemacht habe und freue mich aufs nächste Jahr.
Rutscht gut rüber!
Sonnige Grüsse,
Güneş und die Jungs
P.S.: Danke an Luise und Andrea für die tollen Fotos.
P.P.S.: Danke auch an Bayern 5 aktuell und Antenne Bayern, die unser Essen als das zweitgrößte Heiligabendessen in München nach dem Hofbräuhaus ankündigten. YEAH!!!
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